Experimentelle Studien zur Bedeutung von Lehrermerkmalen für die Ungleichheit von Bildungschancen

Welche Rolle sozioökonomische Merkmale der Lehrkräfte für die Bildungschancen ihrer Schüler/innen spielen, ist eine bislang weitgehend unbeantwortete Frage. In dem Projekt wurde daher anhand einer Stichprobe von über 700 angehenden Lehrkräften gezeigt, wie mittels eines sog. Faktoriellen Surveys bzw. Vignettenexperimentes die Relevanz von Lehrermerkmalen für die Bildungschancen von Schülern (am Beispiel der Schullaufbahnempfehlung) bestimmt werden kann. Die Ergebnisse auf Basis von Mehrebenenanalysen zeigen, dass das Geschlecht, das Leistungsniveau (d.h. die Abiturnote) sowie das Alter der angehenden Lehrkräfte, einen beachtenswerten Unterschied für die Schullaufbahnbeurteilung machen. Dabei ist die Tatsache bemerkenswert, dass das Lehrergeschlecht seine Wirkung erst in Interaktion mit dem Schülergeschlecht vollständig entfaltet: Lehrer beurteilen Schüler und Lehrerinnen beurteilen Schülerinnen vergleichsweise besser. Das Projekt zeigt darüber hinaus, dass der Faktorielle Survey – trotz zu diskutierender Einschränkungen – eine gute Methode ist, um Mechanismen der Entscheidungspraxis von Lehrern (und anderen Akteuren im Bildungssystem) aufzudecken, und damit einen Beitrag zur Erklärung bildungsbezogener Ungleichheiten leisten kann.

Ansprechpartner:
Dr. Jürgen Schiener, Dr. Alexander Schulze, Institut für Soziologie, JGU