Rekonstruktion von Inszenierungsmustern ästhetischer Erfahrung im Literaturunterricht Deutsch/Portugiesisch als Baustein einer realistischen Literaturdidaktik

Ziel der rekonstruierenden Analyse von Unterrichtsprozessen ist eine Theorie ästhetischer Erfahrung in schulischen Kontexten, die die Problematik ihrer didaktisch-reduzierten sowie ihrer denkbaren professionalisierten Umsetzung integriert. Die Möglichkeit zur ästhetischen Erfahrung mit Literatur besteht zunächst nur hypothetisch. Man kann mit ästhetischen Gegenständen auch alles mögliche andere machen als ästhetische Erfahrungen, und man kann im Erfahrungsprozess auch scheitern – auch trotz oder gerade wegen der Vermittlungsstrukturen allgemein bildenden Unterrichts. Es fehlt an Forschungsprojekten, die Vermittlungs- und Aneignungsprozesse "in situ", also im Unterricht selbst analysieren. Um dieses Defizit zu bearbeiten, soll mit dem hier beschriebenen Projekt ein erster Baustein für eine empirisch gehaltvolle "Realistische Deutschdidaktik" gelegt werden – nicht als Theorie guten Deutschunterrichts, sondern als eine Theorie realen Deutschunterrichts, die seine Strukturprobleme (v.a. spezifische Antinomien) herausarbeitet.

Es geht dabei nicht um den Nachweis gelingender ästhetischer Erfahrung im Deutschunterricht, sondern um die genaue Rekonstruktion der Inszenierungsmuster ästhetischer Erfahrung im Literaturunterricht mit dem Ziel der Formulierung eines Modells, welches möglichst alle denkbaren Varianten der didaktischen Umgangsweise mit der Herausforderung auf Lehrerseite wie auf Schülerseite beschreibt. Das Projekt ist Ausgangsprojekt für einen breiten Projektfächer. Es soll einen Beitrag zur pädagogischen Professionalisierung von Deutschlehrern liefern, indem es Schlüsselprobleme der Literaturvermittlung objektiv beschreibbar macht. Als empirisch gehaltvolle Theorie weist sie nach, von welchen immanenten Normen Literaturunterricht strukturiert wird und ist insofern ein Beitrag zu einer Bildungstheorie des Literaturunterrichts. Ihr Einsatz in der Lehrerausbildung soll den angehenden Lehrern Kunstfehler von Dilemmasituationen unterscheidbar machen und somit zur Professionalisierung künftiger Deutschlehrer beitragen.

Ansprechpartner:
Jun.-Prof. Dr. Torsten Pflugmacher
Deutsches Institut, JGU