Partizipation von Familien bei verschiedenen Formen des Übergangs vom Elementar- zum Primarbereich

Die Bewältigung von Übergängen im Bildungswesen stellt eine wichtige Entwicklungsaufgabe für Kinder und Jugendliche dar. Jeder Übergang bedeutet eine Hürde im Bildungsprozess, aber ebenso die Möglichkeit eines Neuanfangs. Mit dem Wechsel von der Kindertagesstätte in die Grundschule ist eine besondere Herausforderung verbunden; denn hier muss von den Kindern und ihren Familien eine Brücke zwischen zwei unterschiedlichen Systemen (Jugendhilfe und Schule) geschlagen werden. Die bildungspolitische Bedeutsamkeit einer pädagogisch reflektierten Gestaltung dieses Übergangs ist mittlerweile unbestritten.  

Nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Eltern kommen in die Schule. Kindertagestätten und Schulen können sich in gemeinsam organisierten Veranstaltungen, Projekten, Elternabenden usw. auf die Herausforderungen des Übertritts in die Grundschule vorbereiten. Obwohl mit dem Schulanfang im Vergleich zum Wechsel in die weiterführenden Schulen nach dem vierten Schuljahr noch keine Entscheidung über einen Schulabschluss verbunden ist, ist dieser erste Übergang im Hinblick auf die grundlegenden Bildungsorientierungen der Kinder und Eltern höchst bedeutsam. Denn für den Erfolg in der Schule sind nicht nur die Begabung und Motivation des Kindes Ausschlag gebend, sondern auch die unterschiedlichen Ambitionen und kulturellen Ressourcen, mit denen die Eltern ihre Kinder in ihrer je eigenen Bildungsbiographie unterstützen und fördern.  

Wir wollen in diesem Projekt genauer untersuchen, wie und wodurch es den Tandems von Kitas und Grundschulen gelingt, die Eltern in die Gestaltung des Übergangs produktiv mit einzubeziehen und für den Bildungsprozess ihrer Kinder zu sensibilisieren. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Auswirkungen unterschiedliche Formen der Übergangsgestaltung auf die schulischen Bildungsorientierungen der Eltern haben. Für die qualitative Studie werden sechs Tandems von Kindertagesstätten und Grundschulen ausgewählt, die ein breites Spektrum von pädagogischen Profilen und soziokulturellen Standorten repräsentieren sollen:

  • Zwei Tandems sind Regeleinrichtungen, die in innovativer Weise pädagogische Projekte zur Übergangsgestaltung erarbeitet haben,
  • Zwei Tandems sind Modelleinrichtungen (sog. Bildungshäuser) in denen die Kooperation auch räumlich verankert  ist; 
  • Zwei Tandems sind reformpädagogische Einrichtungen (Prägung: Montessori- und Waldorfpädagogik), die allein schon konzeptionell eine starke Kontinuität zwischen Elementar- und Primarbereich anstreben.

Insgesamt möchten wir in jedem Tandem die folgenden Daten erheben:

  • das pädagogische Konzept der Übergangsgestaltung
  • eine Gruppendiskussion von Erzieherinnen und Lehrerinnen
  • gemeinsame Veranstaltungen von Kindertagesstätte und Schule
  • Elterninterviews vor und nach dem Übergang in die Grundschule
  • Interviews mit den Erzieherinnen der Kindertagesstätten
  • Interview mit der Klassenlehrerin der Grundschule


Projektleitung:

Dr. Gunther Graßhoff, Prof. Dr. Franz Hamburger, Prof. Dr. Heiner Ullrich
Institut für Erziehungswissenschaft

Dr. Frauke Choi, Zentrum für Bildungs- und Hochschulforschung

Projektmitarbeiterinnen:
Christine Binz, M.A., Dipl.-Päd. Annika Pfaff, Dipl.-Päd. Sarah Schmenger, Institut für Erziehungswissenschaft