Boulevardisierung von Wissenschaftsberichterstattung

Im Kontext der wachsenden institutionellen Autonomie sowie der wettbewerblichen Entwicklung im Wissenschaftssektor gewinnt die Außendarstellung und -wirkung von Wissenschaft und ihren Einrichtungen – und damit auch das Bild, das Massenmedien vermitteln – an zunehmender Bedeutung. Mit dem Ziel, in der Öffentlichkeit Legitimation für kostenintensive Forschung zu erlangen, steht die Wissenschaft zugleich vor der Herausforderung, komplexe wissenschaftliche Sachverhalte einer breiten Laienöffentlichkeit zugänglich zu machen. In diesem Zusammenhang ist denkbar, dass eine erkennbare Relevanz von Wissenschaft in der Öffentlichkeit mit populären und banalen Inhalten "erkauft" wird.

Das Forschungsprojekt "Boulevardisierung von Wissenschaftsberichterstattung" beschäftigt sich mit der medialen Darstellung von Wissenschaft in der deutschen Tagespresse. Im Fokus der Untersuchung steht die Frage, ob im Zeitverlauf der letzten zwanzig Jahre Boulevardisierungsprozesse in der Wissenschaftsberichterstattung der deutschen überregionalen Tagespresse stattgefunden haben und damit die notwendige öffentliche Aufmerksamkeit, die Wissenschaft benötigt, durch eine Trivialisierung und Sensationalisierung der vermittelten Inhalte erkauft wird.

Die empirische Umsetzung des Projekts erfolgt mittels einer quantitativen Inhaltsanalyse. In einer Längsschnittanalyse im Zeitraum von 1995 bis 2014 werden Veränderungen in der Berichterstattung über Wissenschaft analysiert. Untersuchungsgegenstand sind vier deutsche überregionale Tageszeitungen (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, Die Welt) sowie die Wochenzeitung Die ZEIT. Auf Basis der Ergebnisse der Inhaltsanalyse kann schließlich die Kritik an einer Boulevardisierung von Wissenschaftsberichterstattung empirisch erhellt werden. Ferner können Vergleiche zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen angestellt werden.

Das Forschungsprojekt liegt im Schnittfeld von Kommunikationswissenschaft und dem Bereich der Bildungs- und Hochschulforschung und bringt bislang kaum verknüpfte sozialwissenschaftliche Disziplinen miteinander in Verbindung. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts bieten der Hochschulforschung neue Impulse, indem die Massenmedien als organisationsexterne Perspektive einbezogen werden. Insbesondere im Kontext der gewonnenen Hochschulautonomie und vor dem Hintergrund der wachsenden Erwartungen an Sichtbarkeit und Nützlichkeit, die an Wissenschaft gerichtet wird, ist dies von großer Bedeutung.

Ansprechpartnerin:
Helena Berg ( )
Zentrum für Qualitätssicherung und -entwicklung (ZQ), JGU