Exzellenz in der Wissenschaft. Zum Einfluss sozialer Vernetzung aus marktsoziologischer Perspektive

In den letzten Dekaden wird sich wieder zunehmend kritisch mit dem Thema Elite und Elitebildung auseinandergesetzt. In der Wissenschaftsforschung wird sich vermehrt der Frage zugewandt, wer zur Wissenschaftselite zählt. Mit Blick auf den aktuellen Forschungsstand wird allerdings deutlich, dass bisherige Erklärungsansätze, die sich mit der Identifikation von Eliten auseinandersetzen, kaum ausreichen, wissenschaftliche Exzellenz sowie Einfluss- und Wechselwirkungsmechanismen auf Elitebildungsprozesse zu erklären. Dieses Projekt beschäftigt sich daher mit den Fragen, was wissenschaftliche Exzellenz auszeichnet, welche Faktoren eine Rolle spielen und wie die "Exzellenzen" im nationalen Hochschul- und Bildungskontext identifiziert werden können. Um diesen Fragen nachgehen zu können, wird zur Operationalisierung und Identifikation ein marktsoziologischer Ansatz verfolgt. In der Marktsoziologie werden Machtmechanismen nicht durch Angebot und Nachfrage, sondern vielmehr durch die Wirkung der Einbettung von Märkten in soziale Strukturen bestimmt. Es wird hierzu aufgezeigt werden, dass sich diese theoretischen Konzepte besonders gut eignen, um Wechselwirkungsmechanismen zwischen Makro- und Mikroebene sowie Einflüsse sozialer Organisation im Hochschul- und Bildungssystem empirisch zu untersuchen. Um dabei den Abstraktionsgrad zu reduzieren und die theoretischen Ansätze auf das nationale Hochschulsystem zu übertragen, wird zur Operationalisierung das multimodale relationale Datenanalyse-Modell Social Academic Analytics (SAA) den Untersuchungen zu Grunde gelegt. Der multimodale Ansatz befasst sich dabei mit der ganzheitlichen Frage "Wer tauscht was mit wem in welcher Form zu welcher Zeit mit welchem Effekt aus?", um dabei soziale Organisationsstrukturen und Wechselwirkungsmechanismen im Hochschul- und Bildungssystem auf Makroebene (Strukturanalysen) und Mikroebene (Positionsanalysen) mit Hilfe von relationalen und strukturellen Daten explorieren zu können.

Am Beispiel des Exzellenzclusters PRISMA des Forschungsnetzwerks der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) Mainz soll beispielhaft und mit Hilfe netzwerkanalytischer Methoden dem Forschungsziel empirisch nachgegangen werden. Neben der Beantwortung der Forschungsfragen zielt das Projekt darauf, eine Brücke zwischen Theorie und Empirie zu bilden, die zum einen den interdisziplinären Zugang zur praktischen Hochschulforschung gewährleistet und zum anderen zur Weiterentwicklung von Forschungsansätzen und Untersuchungsmethoden im Bereich der Hochschul- und Bildungsforschung beiträgt.

Ansprechpartnerin:
Dr. Cathleen M. Stützer ( )
Institut für Soziologie, JGU